11. Mai 2026

Sandro – Mitarbeiter Sozialpädagogik, in Ausbildung HF/FH

Vom Garten in die Wohngruppe. Wie Sandro seinen Platz in der Sozialpädagogik fand – und heute Verantwortung für Menschen mit Beeinträchtigungen übernimmt.

Sandro: Ein Praktiker durch und durch
Sandro ist gelernter Landschaftsgärtner – und seit 2020 ein engagierter Teil der Stiftung Schürmatt. Was damals als Praktikum in der Wohngruppe 32 in Oberkulm begann, entwickelte sich zu einer langfristigen Tätigkeit als Mitarbeiter Sozialpädagogik für erwachsene Menschen mit Beeinträchtigungen

Nach mehreren Jahren praktischer Erfahrung in der Wohngruppe entschied sich Sandro, mehr Verantwortung zu übernehmen. Heute befindet er sich im vierten Jahr seiner Ausbildung zum Sozialpädagogen an der Höheren Fachschule Gesundheit und Soziales (HFGS). Den Abschluss seines Studiums soll eine Diplomarbeit bilden, in der er die Bedürfnisse der Klientinnen und Klienten unter Einbezug des gesamten Teams in den Mittelpunkt stellt.

Projekt definieren: Die gemeinsame Suche nach einem Thema
Im Zentrum stand die Frage, welches Projektthema der Wohngruppe einen nachhaltigen Nutzen bringen könnte. Im Sinne der Selbstbestimmung wurden die Klientinnen und Klienten frühzeitig befragt, welche Themen sie besonders interessieren.

Die entscheidende Idee kam von einer Klientin: «Ich Musik.»

Da Musik im Alltag der Wohngruppe ohnehin eine grosse Rolle spielt und das Team im Brainstorming die Freizeitgestaltung als wichtiges Thema hervorhob, war der Projekttitel schnell gefunden: «Musik als Ressource in der Freizeitgestaltung».

Eines steht bereits fest: Die Freude in den Augen der Teilnehmenden war der schönste Beweis für den Erfolg des Projekts.

Projekt planen: Ermittlung des Bedarfs
Für die Bedarfserhebung wurde die gesamte Wohngruppe einbezogen – mit besonderem Fokus auf die Klientinnen und Klienten. Da einige von ihnen nicht verbal kommunizieren, kamen individuell angepasste Formen der Unterstützten Kommunikation zum Einsatz.

Aus der Gegenüberstellung der Rückmeldungen der Bewohnenden, den Einschätzungen des Teams und den fachlichen Grundlagen zeigte sich ein klarer Bedarf. Darauf aufbauend plante Sandro zwei Inputs für das Team: «Freizeit im Allgemeinen» und «Musik in der Freizeitgestaltung». Für die Klientinnen und Klienten wurden zudem zwei Musiknachmittage als Angebot für die Wohngruppe aufgenommen.

Brief und Fragebogen mit Unterstützter Kommunikation für die Klientinnen und Klienten zur Mitbestimmung:

Projekt realisieren: Vom Wissen zum Tun
Die Theorie aus der Fachliteratur in die Praxis umzusetzen, war die nächste Hürde. Wo und wann lässt sich gemeinsames Musizieren im oft dichten Alltag einer Wohngruppe sinnvoll organisieren? Die Lösung lag nahe: Sandro konnte den Musikraum der Heilpädagogischen Schule Zetzwil für zwei Nachmittage reservieren.

An zwei intensiven Samstagnachmittagen im Februar verwandelte sich dieser Raum in eine lebendige Klangwerkstatt. Die Klientinnen und Klienten konnten dort nach Herzenslust verschiedene Instrumente ausprobieren und gemeinsam Musik machen. Sandro leitete die Einheiten mit Impulsen aus seinem Studium und schuf einen geschützten Rahmen, in dem jeder Ton willkommen war.

Evaluation des Projektes: Was bleibt?
Bis Ende April arbeitete Sandro an der schriftlichen Auswertung seines Projekts. Dabei widmete er sich zwei zentralen Fragen:

  • Hat das gemeinsame Musizieren die Lebensqualität der Klientinnen und Klienten durch Freude und positive Erlebnisse gesteigert?
  • Konnte das Team neue Wege entdecken, Musik als «Werkzeug» im Alltag einzusetzen?

Eines steht bereits fest: Die Freude in den Augen der Teilnehmenden war der schönste Beweis für den Erfolg des Projekts. Die gewonnenen Erfahrungen fliessen nun in Sandros Diplomarbeit ein – und mit grosser Wahrscheinlichkeit auch in seinen zukünftigen Berufsalltag als diplomierter Sozialpädagoge.

Die Erkenntnisse aus der Praxis bestätigen, was Fachliteratur und Erfahrung nahelegen: Musik macht glücklich, beruhigt, fördert soziale Kontakte und stärkt das Selbstvertrauen. Sie kann zudem Bewegung, Aufmerksamkeit und Ausdrucksmöglichkeiten von Menschen mit Beeinträchtigungen positiv beeinflussen.

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